Lawinengefahr: Polizei.news-Livestream zeigt riskante Lage von Glarus bis Mont-Blanc

In Glarus schneit es beim Livestream von Polizei.news zunächst nur leicht. Bei Temperaturen um 0 bis 1 Grad bleiben die Strassen am Sonntagmorgen gut befahrbar.

Doch die ruhige Kulisse täuscht: SchneeTonis Live-Fahrt steht ganz im Zeichen einer Lawinengefahr, die im Alpenraum bereits mehrere Todesopfer gefordert hat.



Entscheidend ist derzeit weniger die absolute Schneemenge als die Struktur der Schneedecke: eine schwache Altschneebasis, darauf zunehmend schwerer Neuschnee und teils kräftiger Wind. Diese Kombination gilt als klassischer Auslöser für Schneebrettlawinen. Genau dieser Mix wird sich in den kommenden Stunden weiter verstärken.

Zwischen Sonntagabend und Dienstag wird auf der Alpennordseite oberhalb von etwa 1‘000 bis 1‘500 Metern verbreitet Neuschnee erwartet, darunter fällt vielerorts Regen.

Ab rund 1‘800 Metern können entlang der Alpen 40 bis 80 Zentimeter, lokal bis nahe an einen Meter Neuschnee zusammenkommen. Das erhöht die Lawinengefahr deutlich.



Lawinengefahr: Der Pistenrand ist eine klare Grenze

Viele Lawinenunfälle wären vermeidbar, wenn Wintersportler gesicherte Pisten und Absperrungen konsequent respektieren würden. Präparierte und kontrollierte Pisten bieten zwar auch kein Nullrisiko. Aber sie liegen in einer völlig anderen Risikokategorie als steile Hänge abseits markierter Routen. Das gilt besonders bei Gefahrenstufe 3 („erheblich“) und darüber.

Wer ins freie Gelände einfährt, gefährdet nicht nur sich selbst. Lawinen können bis in gesicherte Abschnitte reichen oder Rettungskräfte in riskante Einsätze zwingen. In der Schweiz sterben durchschnittlich rund 20 Menschen pro Jahr durch Lawinen, ein grosser Teil davon abseits der Piste.



Von Glarus bis zum Mont-Blanc: Eindrückliche Beobachtungen

Im Glarnerland zeigte sich während der Fahrt, wie schnell sich die Bedingungen mit der Höhe verändern. Unterhalb von etwa 800 Metern blieb der Schnee auf den Strassen kaum liegen. Weiter oben setzte er sich zunehmend und verwandelte die Fahrbahn in eine winterliche Strecke.

Richtung Urnerboden – der grössten Alp der Schweiz – wurde deutlich, wie bereits 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee auf harten, gefrorenen Untergrund eine scheinbar idyllische Winterlandschaft schaffen. Genau diese Kulisse wirkt oft harmloser, als sie ist.

Besonders eindrücklich sind die Eindrücke aus der Grenzregion Schweiz–Frankreich–Italien im Mont-Blanc-Gebiet. Dort fiel in den vergangenen Tagen teils über ein Meter Neuschnee. Lawinen wurden mancherorts kontrolliert per Helikopter ausgelöst. Frisch abgegangene Lawinenkegel und massive Schneemengen aus nächster Nähe zu sehen, hinterlässt selbst bei erfahrenen Beobachtern Respekt.



Verkehr: Geduld schlägt Risiko

Auf den Strassen im Glarnerland und Richtung Urnerboden zeigte sich: Mit guter Winterausrüstung, angepasster Geschwindigkeit und ausreichend Abstand lassen sich auch schneebedeckte Fahrbahnen sicher bewältigen. Problematisch wird es dort, wo Ungeduld das Steuer übernimmt – etwa bei riskanten Überholmanövern in unübersichtlichen Kurven oder auf glatter Fahrbahn.

Ein oft unterschätzter Punkt: Fahrzeuge müssen vor Fahrtantritt vollständig von Schnee und Eis befreit werden, inklusive Dach, Motorhaube, Scheiben und Beleuchtung. Herabfallende Schneebretter oder Eisplatten können nachfolgende Fahrzeuge in Sekundenbruchteilen gefährden oder schwer beschädigen. Was wie eine Kleinigkeit wirkt, kann schwere Unfälle auslösen.

Fakten statt Schlagzeilen

Ein weiteres Anliegen des heutigen Livestreams war der Umgang mit Prognosen: Statt sich von dramatischen Überschriften leiten zu lassen, empfiehlt sich der Blick auf verlässliche Quellen und aktuelle Lawinenlageberichte. Entscheidend ist, was mit vertretbarer Sicherheit prognostiziert werden kann, in diesem Fall eine klar steigende Lawinengefahr in den kommenden 72 Stunden, vor allem oberhalb von rund 1500 Metern.

Für Tourenplanung und Risikoeinschätzung sind offizielle Lawinenbulletins sowie anerkannte Tools wie „White Risk“ des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF massgeblich. Wer verantwortungsvoll unterwegs sein will, informiert sich vor jeder Tour, passt Pläne konsequent an die Lage an und akzeptiert, dass einzelne Hänge oder Gebiete zeitweise tabu sind.

Verantwortung auf und neben der Piste

In den kommenden Tagen treffen im Alpenraum viel Neuschnee, eingeschränkte Sicht, instabile Schneedecken und teils anspruchsvolle Strassenbedingungen aufeinander.

Sicherheit beginnt bei der eigenen Entscheidung: Absperrungen respektieren, das Fahrzeug korrekt vorbereiten, defensiv fahren und Risiken realistisch einschätzen. Wer diese Grundsätze beherzigt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Dazu zählen Wintersportler, Verkehrsteilnehmer sowie Einsatz- und Rettungskräfte gleichermassen.

 

Quelle: SchneeToni/Polizei.news
Bildquelle: SchneeToni/Polizei.news

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