Neuer Wettersatellit gestartet: Europa sieht Gewitter künftig im Minutentakt
von belmedia Redaktion #Schweizweit Alltag Berge Draussen Europa Forschung Frühling Herbst Jahreszeiten Magazine nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt Orte Regionen Schweiz Schweiz sicherheit.ch Sommer Städte Themen Unwetter Verbreitung wetter24.ch Wetterbericht Wettereinsätze Winter
Europa bekommt einen neuen Blick auf sein Wetter: In der Nacht auf Freitag ist der Wettersatellit MTG-I2 erfolgreich ins All gestartet. Der Satellit der dritten Meteosat-Generation soll Gewitter, Stürme, Starkregen und Waldbrände wesentlich schneller und detaillierter erfassen als frühere Systeme. Auch für die Schweiz sind die neuen Daten besonders interessant – gerade bei rasch entstehenden Gewittern über den Alpen.
MTG-I2 startete am Donnerstag, 27. August 2026, um 22.11 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit an Bord einer Ariane-6-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA verlief der Start erfolgreich.
Der rund 3,8 Tonnen schwere Satellit wird nach seiner Positionierung in einer geostationären Umlaufbahn in rund 36’000 Kilometern Höhe scheinbar ständig über derselben Region der Erde stehen. Genau das ermöglicht eine nahezu kontinuierliche Beobachtung der Wetterentwicklung über Europa und Nordafrika.
Europa alle 2,5 Minuten im Blick
Das Herzstück von MTG-I2 ist der sogenannte Flexible Combined Imager. Die hoch entwickelte Kamera arbeitet mit 16 Spektralkanälen und kann die von der Satellitenposition sichtbare Erdscheibe innerhalb von zehn Minuten erfassen. Für Europa und angrenzende Gebiete sind sogar Aufnahmen im Abstand von nur 2,5 Minuten möglich.
Das ist vor allem bei Gewittern entscheidend. Innerhalb weniger Minuten können sich aus zunächst unscheinbaren Quellwolken heftige Gewitterzellen entwickeln. Je häufiger neue Satellitenbilder verfügbar sind, desto genauer können Meteorologinnen und Meteorologen verfolgen, wie schnell sich eine Zelle verstärkt und in welche Richtung sie zieht.
Blitze dauerhaft aus dem All beobachten
Zusätzlich trägt MTG-I2 einen Lightning Imager. Dieses Instrument registriert fortlaufend Blitzaktivität. Eine rasche Zunahme der Blitze kann ein wichtiger Hinweis darauf sein, dass sich ein Gewitter stark intensiviert. Gerade bei schnell entstehenden Gewittern ist eine frühzeitige Erkennung entscheidend. Welche Gefahren dabei entstehen können und wie man sich richtig verhält, zeigt auch der Belmedia-Ratgeber über Gewitter, Blitzschlag und die wichtigsten Sicherheitsregeln.
Die Kombination aus hochauflösenden Wolkenbildern und Blitzmessungen soll insbesondere die kurzfristige Vorhersage schwerer Gewitter verbessern. Auch Starkregen, Hagel, Sturmfronten, Nebel, Waldbrände und die Ausbreitung von Rauch oder Luftschadstoffen lassen sich mit den neuen Instrumenten besser überwachen.
Warum die Schweiz besonders profitiert
Für die Schweiz sind häufige Satellitenmessungen besonders wertvoll. Die Alpen beeinflussen die Entstehung und Zugbahn von Gewittern stark. Gerade im Sommer können sich lokale Gewitter in kurzer Zeit entwickeln, während klassische Wettermodelle solche kleinräumigen Prozesse nicht immer exakt erfassen.
MeteoSchweiz nutzt Satellitendaten deshalb zusammen mit Wetterradar, Bodenstationen, Blitzmessungen und Prognosemodellen. Die zusätzlichen Informationen der neuen Meteosat-Generation können helfen, kurzfristige Wetterentwicklungen noch genauer einzuordnen.
50-mal mehr Daten als die Vorgängergeneration
MTG-I2 vervollständigt die erste Gruppe der neuen europäischen Meteosat-Generation. Wenn das gesamte System vollständig in Betrieb ist, soll es nach Angaben der ESA mindestens 50-mal mehr Daten liefern als die vorherige Meteosat-Second-Generation.
Direkt nach dem Start beginnt allerdings zunächst die Positionierungs- und Inbetriebnahmephase. Erst nach technischen Tests und der Kalibrierung der Instrumente können die Daten vollständig operationell genutzt werden.
Für Wetterdienste bedeutet der neue Satellit deshalb nicht einfach schönere Satellitenbilder. Vor allem bei schnell entstehenden Unwettern zählt jede Minute. Genau dort soll MTG-I2 künftig helfen, gefährliche Entwicklungen früher zu erkennen und Warnungen präziser auszugeben.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild: KI-Bild