Barryvox und LVS: Warum das kleine Gerät im Ernstfall Leben retten kann
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Technik Themen Tipps Unwetter Verbreitung wetter24.ch Wettereinsätze Zubehör
Wer sich im Winter abseits gesicherter Pisten im Lawinengelände bewegt, sollte ein Lawinenverschüttetensuchgerät – kurz LVS – am Körper tragen. Barryvox ist dabei der bekannte Produktname des Schweizer Herstellers Mammut. Das Gerät sendet während der Tour permanent ein Signal und kann bei einem Lawinenunfall innert Sekunden auf die Suche nach Verschütteten umgestellt werden.
Das Grundprinzip ist ebenso einfach wie entscheidend: Alle LVS-Geräte arbeiten auf der international standardisierten Frequenz von 457 kHz. Wird eine Person verschüttet, sendet ihr Gerät weiter. Nicht verschüttete Begleiter schalten ihre Geräte vom Sende- in den Suchmodus und werden über Richtung und Entfernung Schritt für Schritt zum stärksten Signal geführt.
Ein LVS ist jedoch kein alleinstehendes Rettungssystem. Erst zusammen mit Lawinensonde und Schaufel wird aus der Ortung eine tatsächliche Kameradenrettung. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF betont, wie kritisch die Zeit ist: Nach rund 15 bis 18 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit von vollständig Verschütteten deutlich. Deshalb entscheidet häufig die unmittelbare Hilfe der Begleiter, noch bevor professionelle Rettungskräfte eintreffen.
Vom Sendemodus bis zur Feinsuche
Während einer Skitour, beim Freeriden oder bei Arbeiten in lawinengefährdetem Gelände läuft das LVS normalerweise im Sendemodus. Das Gerät trägt man möglichst körpernah und so, dass es während eines Lawinenabgangs nicht verloren gehen kann.
Kommt es zu einer Verschüttung, bleiben die Geräte der vermissten Personen im Sendemodus. Die übrigen Mitglieder der Gruppe stellen ihre Geräte auf SEARCH beziehungsweise Suche um.
Die eigentliche Rettung läuft anschliessend in mehreren Schritten ab. Zunächst wird das Lawinenfeld nach einem Signal abgesucht. Sobald das LVS einen Sender empfängt, beginnt die Grobsuche. Moderne Geräte zeigen dabei Richtung und Distanz an und führen den Suchenden entlang des elektromagnetischen Feldes zum Verschütteten.
In unmittelbarer Nähe folgt die Feinsuche. Das Gerät wird knapp über der Schneeoberfläche bewegt, bis die kleinste Distanzanzeige gefunden ist. Anschliessend kommt die Sonde zum Einsatz. Erst wenn der Verschüttete mit der Sonde eindeutig lokalisiert ist, beginnt das systematische Ausschaufeln.
Warum Übung wichtiger ist als das teuerste Gerät
Moderne Drei-Antennen-LVS sind wesentlich intuitiver als frühere Geräte. Trotzdem ersetzt Technik keine Ausbildung.
Das SLF empfiehlt regelmässiges Training der Kameradenrettung. Dazu gehören nicht nur das Umschalten von Senden auf Suchen, sondern auch Signalsuche, Grobsuche, Feinsuche, Sondieren und effizientes Schaufeln.
Unter realen Bedingungen kommen Stress, schlechte Sicht, Wind, Kälte, steiles Gelände und möglicherweise weitere Lawinen hinzu. Wer sein Gerät zum ersten Mal während eines Ernstfalls richtig bedienen muss, verliert wertvolle Zeit.
Vor einer Tour sollte deshalb auch kontrolliert werden, ob sämtliche Geräte der Gruppe tatsächlich senden. Moderne Barryvox-Geräte verfügen dafür beispielsweise über einen Gruppencheck und einen automatischen Selbsttest.
Barryvox schützt auch die Retter
Besonders interessant sind Funktionen, die während einer laufenden Rettungsaktion wichtig werden.
Aktuelle Barryvox-Geräte können erkennen, wenn sich ein suchender Retter während längerer Zeit nicht mehr bewegt. Beim sogenannten Auto Revert schaltet das Gerät nach vier Minuten ohne Bewegung automatisch wieder vom Such- in den Sendemodus.
Der Hintergrund ist eine mögliche Nachlawine. Wird ein Retter während der Suche selbst verschüttet, soll sein Gerät wieder ein Signal aussenden und damit seine Ortung ermöglichen.
Für Personen, die zwar im Lawinenfeld arbeiten, aber nicht selbst mit dem LVS nach einem Verschütteten suchen, gibt es bei entsprechenden Geräten zudem einen Rescue-SEND-Modus. Dazu können beispielsweise Personen gehören, die sondieren, schaufeln oder andere Aufgaben übernehmen.
Auch professionelle Rettungsteams arbeiten mit LVS
LVS-Geräte sind keineswegs nur für Skitourengänger gedacht. Auch professionelle Rettungskräfte trainieren ihren Einsatz.
Die Rega übt nach eigenen Angaben vor jeder Wintersaison Lawineneinsätze. Dazu gehören die Suche mit LVS-Geräten, die Organisation des Schadenplatzes, das Ausgraben von Verschütteten und deren medizinische Versorgung.
Je nach Situation werden zusätzlich Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz, Lawinensuchhunde und weitere Suchmittel eingesetzt. Die Rega kann bei bestimmten Einsätzen ausserdem LVS- oder RECCO-Signale bereits aus der Luft suchen.
Entscheidend bleibt trotzdem die Kameradenrettung. Professionelle Hilfe benötigt zwangsläufig Zeit für Alarmierung, Start und Anflug. Befinden sich Begleiter bereits vor Ort und verfügen über LVS, Sonde und Schaufel, können sie unmittelbar mit der Suche beginnen.
Warum auch Räumungs- und Arbeitsteams LVS tragen
Das gleiche Sicherheitsprinzip gilt für Berufsleute, die sich aus betrieblichen Gründen in potenziell gefährdetes Gelände begeben. Dazu können je nach Einsatz etwa Pisten- und Rettungsdienste, Lawinensicherungsteams oder andere alpine Arbeitsequipen gehören.
Wer in einem Bereich arbeitet, in dem eine Lawinenverschüttung möglich ist, muss im Notfall selbst geortet werden können. Deshalb gehört ein LVS bei entsprechenden Einsätzen zur persönlichen Sicherheitsausrüstung. Die konkrete Ausrüstung richtet sich jedoch nach Einsatzgebiet, Gefährdungsbeurteilung und den Vorgaben des jeweiligen Betriebs.
Gerade professionelle Teams profitieren zudem davon, dass alle Beteiligten die Abläufe regelmässig trainieren und Verantwortlichkeiten vor einem Einsatz geklärt sind.
- LVS-Gerät: sendet im Normalbetrieb auf 457 kHz und dient bei einem Unfall zur Ortung.
- Lawinensonde: lokalisiert den Verschütteten nach der Feinsuche punktgenau und bestimmt die Verschüttungstiefe.
- Schaufel: ermöglicht die eigentliche Bergung – ohne leistungsfähige Schaufel hilft auch eine schnelle Ortung nur begrenzt.
- Training: regelmässiges Üben von Suche, Sondieren und Schaufeln ist ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Kameradenrettung.
Ein LVS verhindert keine Lawine
So wichtig Barryvox und andere LVS-Geräte sind: Sie verhindern keinen Lawinenunfall und machen riskante Entscheidungen nicht sicherer.
Lawinenbulletin, Tourenplanung, Geländebeurteilung, Erfahrung und ein defensives Verhalten bleiben die entscheidenden Elemente der Prävention. Ein LVS ist die Rückfallebene für den Fall, dass trotz aller Vorsicht etwas passiert.
Genau darin liegt seine Bedeutung: Wird jemand vollständig verschüttet, macht das ausgesendete Signal eine schnelle elektronische Ortung möglich. Weil im Ernstfall jede Minute zählt, gehört das LVS zusammen mit Sonde und Schaufel zu den wichtigsten Rettungsmitteln im winterlichen Lawinengelände.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert