Von einer Lawine erfasst – so verhält man sich richtig
von belmedia Redaktion Allgemein Berge Draussen Familie familie.ch lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Verbreitung wetter24.ch
Eine Lawine kann Menschen innerhalb weniger Sekunden mitreissen und vollständig verschütten. Wer in die Schneemassen gerät, muss sofort handeln: seitlich aus der Lawinenbahn ausweichen, den Airbag auslösen und möglichst an der Oberfläche bleiben. Kurz bevor der Schnee zum Stillstand kommt, wird das Freihalten der Atemwege entscheidend.
Die Kräfte einer Lawine sind enorm. Schnee kann einen Menschen umwerfen, über Felsen und durch Hindernisse schleudern und schliesslich metertief begraben. Sobald sich die Schneemassen verfestigen, sind Bewegungen häufig kaum mehr möglich. Deshalb entscheiden nicht nur die Handlungen während des Lawinenabgangs, sondern auch die ersten Minuten danach über die Überlebenschancen.
In den Schweizer Alpen ereignen sich die meisten Lawinenunfälle im ungesicherten Gelände. Für Skitourengeher, Freerider und Schneeschuhwanderer gehören deshalb ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), eine Sonde und eine Schaufel zur Grundausrüstung. Ein Lawinenairbag bietet zusätzlichen Schutz. Doch selbst mit guter Ausrüstung bleibt die Vermeidung einer Lawinenverschüttung das wichtigste Ziel.
Wenn sich die Lawine löst: sofort reagieren
Oft beginnt ein Lawinenabgang mit einem plötzlich brechenden Schneebrett. Der Untergrund bewegt sich, Risse entstehen und der Schnee beschleunigt hangabwärts.
Wer die Gefahr rechtzeitig erkennt, sollte sofort versuchen, seitlich aus der Fliessbahn zu gelangen. Das Ziel ist nicht, schneller als die Lawine zu werden, sondern ihren Hauptstrom zu verlassen.
Gelingt die Flucht nicht, sollten Skistöcke losgelassen und ein vorhandener Lawinenairbag unverzüglich ausgelöst werden.
Ein Airbag kann die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Verschüttung verringern. Er verhindert jedoch weder Verletzungen noch garantiert er, dass eine Person an der Oberfläche bleibt.
Während des Mitreissens: möglichst oben bleiben
Wird ein Mensch von einer Lawine erfasst, verliert er häufig innerhalb kürzester Zeit die Kontrolle über seine Bewegungen.
Solange der Schnee fliesst, empfiehlt die Rega, mit kräftigen Bewegungen zu versuchen, an der Oberfläche zu bleiben. Schwimmähnliche Armbewegungen können dabei helfen, sich gegen das Einsinken zu wehren.
Ob dies gelingt, hängt von der Geschwindigkeit, der Schneemenge und den Hindernissen im Gelände ab.
Besonders gefährlich sind Kollisionen mit Bäumen, Felsen oder Geländekanten. Viele schwere Verletzungen entstehen bereits während des Mitreissens.
Auch ein Helm kann nicht alle Gefahren verhindern, bietet aber Schutz vor bestimmten Kopfverletzungen.
Kurz vor dem Stillstand: Atemraum schaffen
Eine der wichtigsten Massnahmen erfolgt unmittelbar bevor die Lawine zur Ruhe kommt.
Jetzt sollten die Hände vor Mund und Nase gebracht werden, um einen kleinen Hohlraum zu schaffen. Gleichzeitig gilt es, die Atemwege möglichst frei von Schnee zu halten.
Dieser Atemraum kann entscheidend sein, wenn die Person vollständig verschüttet wird.
Der Schnee verfestigt sich nach dem Stillstand häufig sehr schnell. Arme und Beine lassen sich dann möglicherweise nicht mehr bewegen. Selbst bei geringer Verschüttungstiefe kann eine eigenständige Befreiung unmöglich werden.
Unter dem Schnee: ruhig bleiben und Luft sparen
Wer vollständig verschüttet ist, sollte zunächst versuchen, die eigene Situation einzuschätzen.
Sind Mund und Nase frei? Kann noch geatmet werden? Lassen sich Kopf oder Arme bewegen?
Wenn eine Selbstbefreiung nicht möglich ist, sollten unnötige Bewegungen vermieden werden. Ruhe hilft, den Sauerstoffverbrauch zu begrenzen.
Rufen kann sinnvoll sein, wenn Rettungspersonen unmittelbar hörbar sind. Dauerhaftes Schreien kann dagegen Kraft und Atemluft verbrauchen.
Besonders wichtig ist, die Atemwege nicht durch unkontrollierte Bewegungen mit Schnee zu verschliessen.
Eine vollständig verschüttete Person ist meist auf schnelle Hilfe von aussen angewiesen.
Was Begleitpersonen sofort tun müssen
Wer beobachtet, wie jemand von einer Lawine mitgerissen wird, sollte den betroffenen Menschen möglichst lange im Blick behalten.
Die Stelle, an der die Person zuletzt sichtbar war, liefert einen wichtigen Hinweis für den Suchbereich.
Bevor Helfer den Lawinenkegel betreten, müssen sie die Gefahr weiterer Lawinen beachten. Niemand sollte sich durch unüberlegtes Handeln zusätzlich gefährden.
Sobald eine sichere Rettungsaktion möglich ist, beginnt die Suche mit dem LVS. Die suchenden Personen schalten ihre Geräte auf den Suchmodus. Nicht benötigte LVS-Sender dürfen die Ortung nicht stören.
Nach der Signalsuche wird der Standort mit der Sonde präzisiert. Anschliessend graben die Helfer mit Lawinenschaufeln grosszügig von der Talseite her zur verschütteten Person.
Atemwege und Atmung haben Vorrang
Beim Ausgraben müssen Kopf und Atemwege möglichst rasch freigelegt werden. Schnee aus Mund und Nase wird vorsichtig entfernt.
Anschliessend wird die Atmung kontrolliert. Fehlt eine normale Atmung, müssen unverzüglich Wiederbelebungsmassnahmen nach den geltenden Erste-Hilfe-Regeln eingeleitet werden.
Atmet die gerettete Person, muss sie vor weiterer Auskühlung geschützt und laufend überwacht werden.
Auch scheinbar unverletzte Lawinenopfer benötigen eine medizinische Beurteilung, insbesondere nach längerer Verschüttung oder heftigen Zusammenstössen.
Wie schwierig eine solche Rettung sein kann, zeigt ein Lawinenunfall bei Emmetten in Nidwalden, bei dem zwei Wintersportler von den Schneemassen erfasst wurden.
Warum Vorbereitung entscheidend ist
Eine erfolgreiche Kameradenrettung lässt sich nicht erst während eines Unfalls erlernen.
Wer sich im ungesicherten Gelände bewegt, sollte den Umgang mit LVS, Sonde und Schaufel regelmässig trainieren. Ebenso wichtig sind die Tourenplanung, das aktuelle Lawinenbulletin und die laufende Beurteilung des Geländes.
Ein Lawinenairbag ersetzt diese Ausrüstung nicht. Auch die Mitnahme eines Smartphones allein bietet keine ausreichende Sicherheit.
Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF betont, dass selbst bei sorgfältiger Planung ein Restrisiko bleibt. Deshalb sind zurückhaltende Entscheidungen im Gelände und eine gute Ausbildung die wirksamsten Schutzmassnahmen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert