Starkregen am Haus: Schutz vor Oberflächenabfluss, Hangwasser und Rückstau
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Architektur Ausbau Bau bauenaktuell.ch Baustelle Bauwerke Dach Dienstleistungen DIY Energie Experten Fassade Garten gartenaktuell.ch Gartengestaltung handwerker24.ch Haus Haus, Garten & Einrichtung Hausbau Heimwerken hometipp.ch Immobilien Infrastruktur Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Natur & Umwelt News Orte Prävention Regionen Reinigung Renovation Renovieren Sanierung Sanitär Schweiz Schweiz Service Sicherheit sicherheit.ch Themen Tipps Unwetter Verbreitung wetter24.ch Wohnen wohnenaktuell.ch
Starkregen kann Gebäude auch weit entfernt von Bächen, Flüssen und Seen überfluten. Kann Niederschlagswasser nicht ausreichend versickern oder von der Entwässerung aufgenommen werden, fliesst es über Strassen, Vorplätze, Gärten und Hänge ab. Besonders gefährdet sind tiefliegende Hauseingänge, Kellerfenster, Lichtschächte, Aussentreppen und Garagenrampen. Ein wirksamer Gebäudeschutz beginnt deshalb bereits beim Gelände und bei den möglichen Fliesswegen.
Für die Schweiz steht mit der Gefährdungskarte Oberflächenabfluss eine flächendeckende Grundlage zur Verfügung. Sie zeigt mögliche Abflusswege und Bereiche mit potenzieller Überflutung, ersetzt jedoch keine Beurteilung des einzelnen Grundstücks. Gute Vorsorge verbindet Geländeplanung, geschützte Gebäudeöffnungen und eine fachgerecht ausgeführte Liegenschaftsentwässerung. Mobile Barrieren können das Konzept ergänzen, sind wegen der oft kurzen Vorwarnzeit bei Starkregen jedoch nur bedingt geeignet.
Starkregen kann jedes Gelände zum Wasserweg machen
Bei einem klassischen Hochwasser tritt Wasser aus einem Bach, Fluss oder See über die Ufer. Oberflächenabfluss entsteht dagegen direkt aus Niederschlag.
Fällt innerhalb kurzer Zeit mehr Regen, als der Boden aufnehmen kann, fliesst das überschüssige Wasser über die Geländeoberfläche ab. Das kann auf versiegelten Strassen und Plätzen geschehen, aber ebenso auf wassergesättigten oder verdichteten Böden.
Der Abfluss folgt im Wesentlichen der Topografie. Strassen, Zufahrten und Wege können dabei wie flache Gerinne wirken. Das Wasser sammelt sich an Tiefpunkten oder trifft auf Hindernisse, hinter denen es sich aufstaut.
Das Problem betrifft einen erheblichen Teil des Schweizer Gebäudebestands. Gemäss den Grundlagen des Bundes liegen rund zwei Drittel der Gebäude in Bereichen, die potenziell von Oberflächenabfluss betroffen sind. Das bedeutet nicht, dass all diese Häuser tatsächlich überflutet werden. Es zeigt jedoch, wie verbreitet die mögliche Gefährdung ist.
Oberflächenabfluss und Hangwasser: Wo liegt der Unterschied?
An einem geneigten Grundstück erscheint das Problem häufig als Hangwasser. Regenwasser fliesst von höher gelegenen Wiesen, Gärten, Strassen oder Bauflächen in Richtung des Hauses.
Solange sich das Wasser auf der Oberfläche bewegt, handelt es sich technisch um Oberflächenabfluss. Der Begriff Hangwasser wird im Zusammenhang mit Starkregen häufig für diesen hangabwärts gerichteten Zufluss verwendet.
Daneben kann Wasser auch im Boden entlang weniger durchlässiger Schichten fliessen und auf erdberührte Kellerwände wirken. Für die Bauwerksabdichtung ist diese Unterscheidung wichtig. Ein oberirdischer Damm oder eine Entwässerungsrinne kann Oberflächenwasser umlenken, beseitigt aber keine dauerhaft vorhandene Wasserbeanspruchung hinter einer Kellerwand.
Bei ausgeprägten Hanglagen sollten deshalb Oberflächenabfluss, Bodenverhältnisse, Entwässerung und Abdichtung gemeinsam untersucht werden.
Der Beitrag „Bauen mit Hanglage: Was baurechtlich, statisch und finanziell zu beachten ist“ zeigt ergänzend, weshalb bei Hanggrundstücken Gelände, Wasserführung und Baukonstruktion früh zusammen geplant werden sollten.
Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss als erster Check
Das Bundesamt für Umwelt stellt für die gesamte Schweiz eine Gefährdungskarte Oberflächenabfluss zur Verfügung. Sie deckt sowohl besiedelte als auch unbesiedelte Gebiete ab.
Die Karte zeigt modellierte Fliesswege und Flächen, die bei seltenen bis sehr seltenen Starkregenereignissen potenziell überschwemmt werden können. Unterschiedliche Farbstufen geben Hinweise auf mögliche Wassertiefen.
Damit lassen sich beispielsweise Situationen erkennen, bei denen Wasser von einer Strasse über eine Zufahrt zu einem Gebäude fliesst oder sich hinter einem Geländesprung sammelt.
Die Karte besitzt jedoch Grenzen. Sie beruht auf einer schweizweiten Modellierung und wurde nicht auf jedem Grundstück vor Ort überprüft. Kleine Strukturen können den tatsächlichen Wasserweg verändern.
Dazu gehören:
- Trottoirränder
- Gartenmauern
- Randsteine
- Treppen
- Geländemulden
- Zufahrtsrampen
- kleine Dämme und Aufschüttungen
Auch die Wirkung der Siedlungsentwässerung wird in der nationalen Modellierung nicht vollständig berücksichtigt.
Deshalb gilt: Die Karte liefert einen Gefahrenhinweis, aber keine fertige Bemessungsgrundlage für eine konkrete Schutzmassnahme.
Gefährdungskarte und kantonale Gefahrenkarte sind nicht dasselbe
Neben der schweizweiten Gefährdungskarte Oberflächenabfluss existieren kantonale und kommunale Gefahrenkarten.
Diese behandeln insbesondere Naturgefahren wie Hochwasser aus Gewässern, Rutschungen, Lawinen oder Sturzprozesse. Je nach Standort und Kanton können daraus Anforderungen an Planung und Baubewilligung entstehen.
Die nationale Gefährdungskarte Oberflächenabfluss besitzt dagegen hinweisenden Charakter und ist für sich allein nicht rechtsverbindlich.
Bei einem Bau- oder grösseren Umbauprojekt sollten deshalb sämtliche verfügbaren Gefahrengrundlagen geprüft werden. Das gilt besonders bei Hanglagen, in Geländemulden sowie in der Nähe von Bächen und anderen Gewässern.
Die entscheidende Frage lautet: Wohin fliesst das Wasser?
Nach der Kartenprüfung folgt die Analyse des Grundstücks.
Hilfreich ist ein gedanklicher Rundgang vom höchsten zum tiefsten Punkt. Dabei lässt sich nachvollziehen, aus welchen Richtungen Wasser zufliessen könnte und welche Hindernisse den Weg beeinflussen.
Ein abschüssiger Vorplatz kann Wasser direkt auf ein Garagentor lenken. Ein Gartenweg kann zum Fliesskanal werden. Eine kleine Mauer kann Wasser vom Gebäude wegführen oder genau vor einem Kellerfenster aufstauen.
Auch die Strasse vor dem Grundstück spielt eine Rolle. Sobald Schächte und Kanalisation die Niederschlagsmenge nicht mehr vollständig aufnehmen können, fliesst Wasser an der Oberfläche weiter. Liegt eine Garagenrampe tiefer als die Strasse, entsteht ein naheliegender Fliessweg.
Geländegefälle entscheidet oft über den ersten Wasserkontakt
Eine der wirksamsten Schutzmassnahmen liegt häufig ausserhalb des Hauses: Wasser soll möglichst gar nicht bis an empfindliche Gebäudeteile gelangen.
Unmittelbar an der Fassade sollte eine Geländeform vermieden werden, bei der Wasser zum Gebäude hin fliesst und sich dort sammelt.
Bei bestehenden Grundstücken können Geländeprofilierungen, niedrige Aufkantungen, Mauern oder Leitmulden helfen. Welche Lösung geeignet ist, hängt von der Wassermenge, der Fliessrichtung und den räumlichen Verhältnissen ab.
Besonders wichtig ist ein definierter Überlastungsweg. Auch eine gute Entwässerung besitzt eine begrenzte Kapazität. Wird sie bei einem Extremereignis überschritten, sollte bekannt sein, wohin das überschüssige Wasser fliesst.
Eine sorgfältige Umgebungsgestaltung führt dieses Wasser möglichst um das Gebäude herum und vermeidet neue Tiefpunkte vor Türen, Fenstern oder Lichtschächten.
Versickerung und Rückhalt können den Abfluss reduzieren
Unversiegelte Böden können einen Teil des Niederschlags aufnehmen. Durchlässige Beläge, Grünflächen, Mulden und andere Retentionselemente können deshalb helfen, den unmittelbaren Abfluss zu reduzieren.
Auch begrünte Flächen und eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung können Niederschlag verzögert abgeben.
Diese Massnahmen besitzen jedoch Grenzen. Ist der Boden bereits stark wassergesättigt oder fällt innerhalb kurzer Zeit aussergewöhnlich viel Regen, kann zusätzliches Wasser an der Oberfläche abfliessen.
Versickerung sollte deshalb nicht die einzige Schutzmassnahme für einen tief liegenden Kellerzugang sein.
Abläufe können bei Starkregen zum Engpass werden
Hofabläufe, Entwässerungsrinnen und Strassenschächte erfüllen im normalen Betrieb eine wichtige Aufgabe. Bei einem Extremereignis können sie die anfallende Wassermenge jedoch nicht unbegrenzt aufnehmen.
Hinzu kommen mögliche Verstopfungen. Laub, Zweige, Schlamm und Hagel können Siebe oder Einläufe teilweise blockieren.
Ein besonders ungünstiges Szenario entsteht, wenn der einzige Ablauf am tiefsten Punkt einer Garagenrampe liegt und sämtliches Wasser der Zufahrt dort zusammenkommt.
Deshalb sollte der Schutz eines Gebäudes nicht allein davon abhängen, dass ein einzelner Ablauf während eines Unwetters jederzeit seine volle Leistung erbringt.
Lichtschächte sind typische Eintrittsstellen
Kellerlichtschächte gehören zu den kritischen Punkten vieler Wohnhäuser. Häufig endet ihre Oberkante nur knapp oberhalb des umliegenden Bodens.
Fliesst Wasser entlang der Fassade, kann es über den Rand in den Lichtschacht gelangen. Dort sammelt es sich unmittelbar vor dem Kellerfenster.
Ein Ablauf am Schachtboden beseitigt das Risiko nicht automatisch. Ist die angeschlossene Entwässerung überlastet oder der Ablauf blockiert, kann der Wasserspiegel trotzdem steigen.
Ein robuster Schutz besteht darin, die Oberkante des Lichtschachts über die zu erwartende Wasserhöhe zu führen. Wie hoch diese Aufkantung sein muss, lässt sich nicht sinnvoll mit einer pauschalen Zentimeterangabe beantworten. Massgebend sind die konkrete Gefährdung und die mögliche Aufstauhöhe.
Auch der Anschluss zwischen Lichtschacht und Gebäude muss zur Beanspruchung passen. In besonders exponierten Bereichen können zusätzlich entsprechend geeignete Kellerfenster notwendig werden.
Kellertreppen können wie ein Trichter wirken
Aussentreppen zum Untergeschoss bilden einen weiteren Tiefpunkt.
Fliesst Wasser über einen Vorplatz auf die Treppe zu, wird es direkt zur Kellertür geführt. Ein kleiner Bodenablauf am Treppenfuss kann dann schnell überfordert sein.
Bauliche Lösungen beginnen deshalb bereits vor der ersten Stufe. Eine erhöhte Schwelle oder Geländeaufkantung kann verhindern, dass frei abfliessendes Oberflächenwasser überhaupt in den Treppenbereich gelangt.
Seitliche Mauern müssen dabei so geplant sein, dass sie das Wasser nicht ungünstig aufstauen oder zu einer anderen Gebäudeöffnung umlenken.
Garagenrampen sind besonders anfällig
Bei einer abgesenkten Garage verstärkt das Gefälle das Problem. Die gesamte Rampe führt Wasser zum tiefsten Punkt.
Liegt die Grundstückszufahrt gleichzeitig unterhalb der Strasse, kann zusätzliches Oberflächenwasser aus dem öffentlichen Raum zufliessen.
Eine wirksame Planung setzt deshalb möglichst weit oben an. Geländekuppen, erhöhte Einfahrtsbereiche oder seitliche Ableitungen können verhindern, dass Wasser überhaupt die Rampe hinunterfliesst.
Bei bestehenden Anlagen kommen je nach Situation dauerhafte Schwellen, Schutzwände oder andere konstruktive Lösungen infrage.
Eine Entwässerungsrinne vor dem Tor bleibt sinnvoll, sollte aber Teil eines Gesamtkonzepts sein.
Türen und Tore müssen dem möglichen Wasserdruck standhalten
Wasser, das sich vor einer geschlossenen Tür aufstaut, erzeugt Druck. Je höher der Wasserstand, desto grösser wird die Belastung auf Türblatt, Rahmen und Befestigung.
Eine normale Kellertür ist deshalb nicht automatisch ein Hochwasserschutzelement.
Bei bekannten Gefährdungen können dafür vorgesehene wasserhemmende oder wasserdichte Bauteile erforderlich sein. Entscheidend ist neben dem Produkt auch der Anschluss an Wand und Boden.
Dasselbe gilt für Garagentore. Eine dichte Fläche allein genügt nicht, wenn Wasser durch seitliche Fugen, Lüftungsöffnungen oder angrenzende Bauteile eindringen kann.
Auch kleine Durchführungen können problematisch werden
Wasser gelangt nicht ausschliesslich über Fenster und Türen in das Gebäude.
Rohrdurchführungen, Kabelanschlüsse, Fugen und Risse können ebenfalls Schwachstellen bilden. Besonders bei älteren Kellern lohnt sich deshalb eine Untersuchung der gesamten erdberührten Gebäudehülle.
Welche Abdichtungsmethode sinnvoll ist, hängt von Konstruktion und Wasserbeanspruchung ab.
Einen Einblick in die entsprechenden handwerklichen Arbeiten gibt der Beitrag „Abdichter EFZ: Fachkraft für dichte Bauwerke und langlebige Gebäudehüllen“.
Rückstau aus der Kanalisation ist eine zweite Gefahrenrichtung
Während Oberflächenwasser von aussen in ein Gebäude gelangt, kann Starkregen gleichzeitig einen zweiten Weg öffnen.
Steigt der Wasserstand in der öffentlichen Kanalisation, kann Abwasser in angeschlossene Grundstücksleitungen zurückgedrückt werden. Besonders gefährdet sind Entwässerungsstellen unterhalb der massgebenden Rückstauebene.
Dazu können je nach Gebäude beispielsweise gehören:
- Bodenabläufe im Keller
- Waschbecken im Untergeschoss
- Duschen oder WC-Anlagen in tiefliegenden Räumen
- Abläufe von abgesenkten Flächen
So kann ein Keller auch dann überflutet werden, wenn sämtliche Fenster und Türen gegen Oberflächenwasser geschützt sind.
Rückstauklappen können sinnvoll sein, aber nicht überall
Eine Rückstauklappe beziehungsweise ein Rückstauverschluss verhindert in geeigneten Leitungsabschnitten, dass Abwasser entgegen der normalen Fliessrichtung zurückströmt.
Die häufige Vorstellung, eine einzige Klappe könne einfach in die Hauptleitung des Hauses eingebaut werden und damit sämtliche Anschlüsse schützen, ist jedoch problematisch.
Die aktuelle Schweizer Norm SN 592 000:2024 behandelt Rückstauverschlüsse und Abwasserhebeanlagen ausdrücklich. Rückstauverschlüsse dürfen demnach nicht als zentrale Absicherung eines Gebäudes eingesetzt werden, wenn Entwässerungsgegenstände oberhalb der Rückstauebene an den betreffenden Leitungsabschnitt angeschlossen sind.
Der Hintergrund ist wichtig: Schliesst die Klappe bei Rückstau, können die angeschlossenen Abwässer nicht mehr abfliessen. Würden gleichzeitig WC, Dusche oder Waschmaschine in oberen Geschossen weiter genutzt, könnte sich das Abwasser innerhalb der eigenen Leitungen stauen.
Wann eine Hebeanlage notwendig werden kann
Für Entwässerungsstellen unterhalb der Rückstauebene kann je nach Situation eine Abwasserhebeanlage erforderlich sein.
Sie sammelt das anfallende Abwasser und pumpt es über eine Rückstauschleife auf ein ausreichend hohes Niveau. Dadurch wird die Entwässerung auch bei Rückstau kontrolliert.
Ob Rückstauverschluss, Hebeanlage oder eine andere Leitungsführung geeignet ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand des Kellergrundrisses entscheiden.
Relevant sind die gesamte Liegenschaftsentwässerung, die Lage der einzelnen Entwässerungsgegenstände, die Rückstauebene und die örtlichen Vorgaben.
Bei bestehenden Häusern sollte die Situation von einem Fachbetrieb oder einem Fachplaner für Liegenschaftsentwässerung geprüft werden.
Rückstauschutz braucht Unterhalt
Auch ein korrekt eingebautes System bleibt nur zuverlässig, wenn es funktionsfähig ist.
Bewegliche Teile können verschmutzen oder blockieren. Pumpen können ausfallen. Dichtungen altern.
Kontrolle und Wartung gehören deshalb zur langfristigen Starkregenvorsorge. Welche Intervalle und Arbeiten erforderlich sind, hängt vom eingebauten System und den Vorgaben des Herstellers beziehungsweise der Planung ab.
Besonders nach Umbauten sollte überprüft werden, ob zusätzliche Sanitärapparate oder Abläufe an Leitungen angeschlossen wurden, die ursprünglich anders konzipiert waren.
Dauerhafte Schutzmassnahmen sind bei Starkregen im Vorteil
Starkregen besitzt eine entscheidende Besonderheit: Die Vorwarnzeit kann sehr kurz sein.
Bei einem langsam steigenden Flusshochwasser bleibt unter Umständen Zeit, mobile Barrieren aufzubauen. Ein lokales Gewitter kann dagegen innerhalb kurzer Zeit Oberflächenabfluss erzeugen.
Die Schweizer Fachinformationen zum Gebäudeschutz empfehlen deshalb grundsätzlich permanente Lösungen, die ohne menschliches Eingreifen funktionieren.
Dazu gehören:
- geeignete Geländehöhen und Gefälle
- erhöhte Lichtschächte
- geschützte Kellerfenster
- erhöhte oder geschützte Zugänge
- Schutz von Garagenrampen
- fachgerecht abgedichtete Durchführungen
- korrekt geplanter Rückstauschutz
Diese Massnahmen sind bereits vorhanden, wenn ein Gewitter einsetzt.
Mobile Schutzsysteme haben trotzdem ihren Platz
Mobile Dammbalken, Steckelemente und vergleichbare Barrieren können bei bestimmten Gebäuden eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Sie eignen sich beispielsweise für eine Öffnung, die baulich nur schwer dauerhaft erhöht werden kann. Voraussetzung ist jedoch, dass das System rechtzeitig eingesetzt werden kann.
Das Material muss schnell erreichbar sein. Alle notwendigen Bauteile müssen vollständig vorhanden sein und die Montage sollte ohne improvisierte Arbeiten möglich sein.
Auch die seitlichen Anschlüsse sind entscheidend. Eine Barriere vor einer Tür hilft wenig, wenn Wasser daneben einen niedrigeren Weg findet.
Bei plötzlich auftretendem Oberflächenabfluss sollte deshalb kein Schutzkonzept ausschliesslich auf der rechtzeitigen Montage mobiler Elemente beruhen.
Video: Gebäudeschutz gegen Oberflächenabfluss in der Schweiz
Bei Neubauten lässt sich Starkregenschutz früh integrieren
Im Neubau können viele Schutzmassnahmen ohne grossen Zusatzaufwand in das Grundkonzept einfliessen.
Schon die Höhenlage des Gebäudes beeinflusst das Risiko. Liegen Eingänge, Fenster und andere Öffnungen oberhalb der möglichen Aufstauhöhe, entsteht eine robuste erste Schutzlinie.
Auch Garagenzufahrten, Lichtschächte und Aussentreppen können so angeordnet werden, dass Wasser nicht direkt hineinströmt.
Die Umgebungsgestaltung sollte gleichzeitig definieren, wohin überschüssiges Wasser im Überlastungsfall abfliesst.
Eine spätere Korrektur solcher Höhenverhältnisse ist wesentlich aufwendiger als die Berücksichtigung während der Planung.
Umbauten können bestehende Wasserwege verändern
Auch Veränderungen rund um ein bestehendes Haus verdienen Aufmerksamkeit.
Eine neue Terrasse, eine breitere Zufahrt oder ein zusätzlich befestigter Platz verändert die Versickerung und möglicherweise den Abfluss.
Gleiches gilt für Mauern, Gartenhäuser, Hochbeete und andere Hindernisse. Sie können einen vorhandenen Fliessweg unterbrechen und Wasser in eine neue Richtung lenken.
Nach grösseren Veränderungen der Umgebung ist deshalb sinnvoll zu prüfen, ob bei Starkregen weiterhin ein schadloser Abflussweg vorhanden ist.
Kellerausbau erhöht das Schadenpotenzial
Ein unbeheizter Lagerkeller ist gegenüber einer Überschwemmung anders zu bewerten als ein ausgebautes Büro oder Gästezimmer.
Mit der Umnutzung steigen häufig die Werte, die im Untergeschoss vorhanden sind. Elektroinstallationen, Bodenbeläge, Möbel und technische Geräte reagieren empfindlich auf Wasser.
Gleichzeitig halten sich Personen länger in diesen Räumen auf.
Vor dem Ausbau eines Untergeschosses sollte deshalb geprüft werden, ob das Gebäude in einem möglichen Fliessweg liegt und ob Kellerfenster, Treppenabgänge sowie Entwässerung ausreichend geschützt sind.
Technische Anlagen möglichst nicht am tiefsten Punkt platzieren
Heizung, Elektroverteilung, Servertechnik oder andere empfindliche Anlagen befinden sich häufig im Keller.
Kann dort Wasser eindringen, steigen die möglichen Folgeschäden.
Bei einer Renovation oder beim Ersatz technischer Anlagen lässt sich daher prüfen, ob empfindliche Komponenten erhöht oder in weniger gefährdeten Bereichen angeordnet werden können.
Auch gelagerte Stoffe und empfindliche Gegenstände sollten in gefährdeten Räumen nicht unmittelbar auf dem Boden stehen.
Unterhalt gehört zum Starkregenschutz
Bauliche Vorsorge endet nicht nach der Montage.
Dachrinnen, Abläufe und Entwässerungsrinnen müssen frei bleiben. Lichtschächte sollten regelmässig auf Laub und Ablagerungen kontrolliert werden.
Pumpen und Rückstausysteme benötigen Funktionskontrollen. Bei mobilen Schutzsystemen müssen sämtliche Elemente vorhanden und zugänglich sein.
Auch Veränderungen am Grundstück sind relevant. Eine im Laufe der Jahre gewachsene Bepflanzung, ein neuer Zaun oder eine kleine Aufschüttung können lokale Wasserwege verändern.
Im Ereignisfall steht die Sicherheit von Personen an erster Stelle
Beginnt Wasser bereits in Keller oder Tiefgarage einzudringen, können sich die Bedingungen schnell verändern.
Untergeschosse und Einstellhallen sollten bei unmittelbarer Überflutungsgefahr verlassen werden. Auch Aufzüge sind in einer solchen Situation keine geeigneten Fluchtwege.
Fliessendes Wasser kann überraschend grosse Kräfte entwickeln. Fahrzeuge, Gegenstände und mitgeführtes Material erhöhen die Gefahr zusätzlich.
Schutzmassnahmen sollten deshalb möglichst vor einem Ereignis umgesetzt werden. Während des Starkregens hat der Personenschutz Vorrang vor dem Versuch, Sachwerte zu retten oder eine Barriere noch nachträglich aufzubauen.
Welche Fachleute bei der Planung helfen
Starkregenschutz verbindet mehrere Gewerke und Planungsbereiche.
Bei einer komplexen Liegenschaft können unter anderem Fachleute aus Bauingenieurwesen, Architektur, Landschaftsplanung, Tiefbau, Abdichtung und Sanitärtechnik beteiligt sein.
Bei Hanggrundstücken können zusätzlich Abklärungen zum Baugrund und zur Wasserführung im Boden erforderlich werden.
Ein Sanitärfachbetrieb beziehungsweise Fachplaner beurteilt die Liegenschaftsentwässerung und den Rückstauschutz. Abdichtungsarbeiten an erdberührten Bauteilen erfordern wiederum anderes Fachwissen als die Gestaltung eines oberirdischen Abflusswegs.
Ein koordiniertes Konzept verhindert, dass eine Massnahme an einer Stelle neue Probleme an einer anderen Stelle erzeugt.
Starkregenschutz in sieben Schritten
Für ein bestehendes Wohnhaus bietet sich folgende Reihenfolge an:
- Gefährdungskarte Oberflächenabfluss und kantonale Gefahrengrundlagen prüfen.
- Gelände, Gefälle, Tiefpunkte und mögliche Zuflüsse rund um das Gebäude untersuchen.
- Lichtschächte, Kellerfenster, Türen, Garagenrampen und weitere Öffnungen kontrollieren.
- Überlastungswege für Wasser festlegen und möglichst vom Gebäude wegführen.
- Liegenschaftsentwässerung und Rückstauschutz fachlich überprüfen lassen.
- Dauerhafte bauliche Massnahmen priorisieren und mobile Systeme gezielt ergänzen.
- Abläufe, Dichtungen, Pumpen und Schutzsysteme regelmässig kontrollieren.
So entsteht ein Schutzkonzept, das Grundstück, Gebäudehülle und Entwässerung miteinander verbindet.
Fazit: Wasser braucht einen sicheren Weg am Gebäude vorbei
Starkregen wird vor allem dann zum Gebäudeschaden, wenn Wasser einen ungünstigen Weg findet. Schon kleine Höhenunterschiede können entscheiden, ob es an einer Fassade vorbeifliesst oder durch einen Lichtschacht in den Keller gelangt.
Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss liefert für die Schweiz eine wichtige erste Orientierung. Sie ersetzt die Betrachtung der tatsächlichen Geländeform jedoch nicht. Strassen, Mauern, Rampen und andere Kleinstrukturen können Fliesswege entscheidend verändern.
Besonders wirksam sind dauerhafte Lösungen: Gelände vom Gebäude wegführen, gefährdete Öffnungen erhöhen oder schützen und die Entwässerung so planen, dass auch ein Überlastungsfall berücksichtigt wird.
Der Rückstauschutz gehört separat dazu. Eine Rückstauklappe kann für geeignete Leitungsabschnitte sinnvoll sein, ist aber keine Universallösung für die gesamte Hausentwässerung. Die aktuelle Schweizer Norm stellt klare Anforderungen an ihre Verwendung.
Mobile Barrieren können zusätzliche Sicherheit schaffen, dürfen wegen der kurzen Vorwarnzeit bei Starkregen jedoch nicht die einzige Schutzmassnahme sein.
Das wichtigste Prinzip bleibt damit einfach: Niederschlagswasser muss auch dann einen möglichst schadlosen Weg erhalten, wenn Boden und Entwässerungssysteme ihre reguläre Aufnahmekapazität erreicht haben.
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