Wumm im Schnee: Warum dieses Geräusch ein ernstes Lawinen-Warnsignal ist
von belmedia Redaktion Bergrettung Ereignisse Lawinen Naturkatastrophen Personenrettung polizei.news Polizeinews Regional Regionen Rettung Schweiz Thematisch Verbreitung Wetter
Ein dumpfes „Wumm“ unter den Skiern oder Schneeschuhen – und plötzlich sackt die Schneedecke spürbar ab. Was zunächst nur wie ein ungewöhnliches Geräusch im Schnee wirkt, ist eines der deutlichsten Warnsignale im winterlichen Gebirge. Ein Wumm kann darauf hinweisen, dass tief in der Schneedecke eine Schwachschicht gebrochen ist.
Das Gefährliche daran: Der Hang muss sich dabei überhaupt nicht bewegen. Es kann weiterhin alles ruhig und stabil aussehen. Unter der Oberfläche kann sich der Bruch jedoch bereits über eine grosse Fläche ausgebreitet haben.
Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF bezeichnet Wummgeräusche deshalb als Alarmzeichen für eine kritische Lawinensituation. Besonders ernst wird es, wenn zusätzlich Risse in der Schneedecke sichtbar werden.
Was passiert beim „Wumm“ unter den Füssen?
Eine winterliche Schneedecke besteht nicht aus einer einheitlichen Masse. Im Laufe des Winters entstehen zahlreiche unterschiedliche Schichten. Manche sind fest miteinander verbunden, andere ausgesprochen schwach.
Problematisch wird es insbesondere dann, wenn eine festere Schneeschicht – das spätere Schneebrett – auf einer störanfälligen Schwachschicht liegt.
Wird diese Schwachschicht durch das Gewicht eines Menschen belastet, kann sie plötzlich kollabieren. Die darüberliegende Schneedecke sackt geringfügig ab. Genau dieser Vorgang kann als dumpfes Wummgeräusch hörbar und teilweise sogar körperlich spürbar werden.
Der Bruch kann sich blitzschnell ausbreiten
Besonders beeindruckend ist, mit welcher Geschwindigkeit sich ein Bruch innerhalb einer Schwachschicht ausbreiten kann.
Forschende des SLF berichteten 2026 von Experimenten, bei denen sich Risse mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Metern pro Sekunde ausbreiteten.
Das entspricht mehr als 360 km/h.
Für das menschliche Auge geschieht dieser Vorgang praktisch augenblicklich. Ein zunächst lokaler Bruch kann deshalb innerhalb kürzester Zeit einen wesentlich grösseren Bereich der Schneedecke erfassen.
Warum nicht bei jedem Wumm eine Lawine abgeht
Ein Wumm bedeutet nicht automatisch, dass unmittelbar eine Lawine abgehen muss.
Entscheidend ist unter anderem die Steilheit des Geländes. Bricht eine Schwachschicht in relativ flachem Gelände, kann sich die Schneedecke setzen, ohne talwärts abzurutschen.
Das macht das Geräusch jedoch nicht harmlos.
Denn derselbe Schwachschichtaufbau kann sich in angrenzendes steileres Gelände fortsetzen. Dort können die Voraussetzungen für eine Schneebrettlawine vorhanden sein.
Besonders tückisch: die Fernauslösung
Eine der faszinierendsten und gleichzeitig gefährlichsten Eigenschaften instabiler Schneedecken ist die Möglichkeit einer Fernauslösung.
Dabei muss die Person nicht einmal dort stehen, wo sich später die Lawine löst.
Eine Belastung kann einen Bruch in einer Schwachschicht verursachen, der sich unter der Schneedecke über eine grössere Distanz fortpflanzt. Erreicht der Bruch einen ausreichend steilen Hang, kann sich dort ein Schneebrett lösen.
Das SLF dokumentierte im Winter 2025/26 Situationen, in denen Lawinen über mehrere hundert Meter Entfernung fernausgelöst wurden.
Risse im Schnee sind ein weiteres deutliches Warnzeichen
Nicht immer hört man ein Wumm. Manchmal zeigt die Schneedecke ihre Instabilität sichtbar.
Entstehen beim Betreten des Schnees plötzlich Risse, die von den Skiern oder Schneeschuhen weg durch die Schneedecke laufen, sollte dies ebenfalls ernst genommen werden.
Solche Risse zeigen, dass sich ein Bruch in einer Schwachschicht ausbreiten kann.
Treffen Wummgeräusche und Rissbildungen gemeinsam auf, liefert die Schneedecke besonders deutliche Hinweise auf ihre Instabilität.
🏔️ 5 WARNZEICHEN, DIE MAN ERNST NEHMEN SOLLTE
Die Schneedecke kann selbst Hinweise auf eine kritische Situation liefern.
Eine Schwachschicht kann unter der Belastung zusammengebrochen sein.
Risse können zeigen, dass sich ein Bruch innerhalb der Schneedecke ausbreitet.
Kürzlich abgegangene Lawinen können ein deutlicher Hinweis auf instabile Verhältnisse sein.
Wind kann Schnee verfrachten und störanfällige Schneebretter aufbauen.
Eine gebundene Schneeschicht über einer ausgeprägten Schwachschicht schafft eine wichtige Voraussetzung für Schneebrettlawinen.
Ein Wumm kann auch im flachen Gelände auftreten
Gerade dieser Punkt kann irritieren: Das Geräusch kann an einer Stelle auftreten, die selbst gar nicht besonders steil aussieht.
Das SLF erklärt, dass eine gebrochene Schwachschicht sich manchmal nur wenige Meter, unter geeigneten Bedingungen aber auch quer durch einen ganzen Hang ausbreiten kann.
Deshalb darf aus der Tatsache, dass direkt unter den eigenen Füssen keine Lawine abgegangen ist, nicht geschlossen werden, dass das umliegende Gelände ebenfalls stabil ist.
Der Winter 2025/26 zeigte eindrücklich, was Wummgeräusche bedeuten können
Wie deutlich solche Alarmzeichen auftreten können, zeigte der Winter 2025/26 in der Schweiz.
Das SLF berichtete insbesondere im Osten der Schweizer Alpen von einer zeitweise sehr instabilen Schneedecke. Vielerorts wurden Wummgeräusche und weitreichende Risse beobachtet.
Ab dem 10. Januar wurden zahlreiche Wummgeräusche und durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Nach Angaben des SLF hielt das ausgeprägte Altschneeproblem teilweise über längere Zeit an.
Solche Situationen zeigen, weshalb Beobachtungen direkt im Gelände eine wichtige Ergänzung zum Lawinenbulletin darstellen.
Was tun, wenn es plötzlich „Wumm“ macht?
Ein Wumm sollte nicht als interessantes Naturphänomen abgetan werden.
Wer ein solches Alarmzeichen wahrnimmt, sollte die Situation neu beurteilen und insbesondere steiles sowie potenziell gefährdetes Gelände meiden. Das gilt umso mehr, wenn gleichzeitig Risse sichtbar werden oder das aktuelle Lawinenbulletin vor einem Altschneeproblem warnt.
Das SLF fasst die Bedeutung des Geräusches mit einem unter Lawinenkennern bekannten Merksatz besonders einfach zusammen:
„Bei Wumm, kehr um.“
Ein einfacher Merksatz für eines der deutlichsten Alarmzeichen einer instabilen Schneedecke.
Die wichtigste Information kommt manchmal direkt aus dem Schnee
Moderne Lawinenprognosen, Wettermodelle und Messstationen liefern heute enorme Mengen an Informationen. Trotzdem bleibt die Beobachtung vor Ort entscheidend.
Ein Wummgeräusch ist eine unmittelbare Rückmeldung der Schneedecke.
Es zeigt, dass im Schnee ein Bruch stattgefunden hat – möglicherweise genau in jener Schwachschicht, die unter anderen Geländebedingungen eine Schneebrettlawine ermöglichen kann.
Wer dieses Geräusch kennt und richtig einordnet, versteht deshalb eine der wichtigsten Botschaften, die eine winterliche Schneedecke überhaupt senden kann.
Quelle: SLF / belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert