Sturzflut im Grand Canyon – ein Toter, rund 15 Menschen vermisst

Eine schwere Sturzflut hat Teile des Grand-Canyon-Nationalparks im US-Bundesstaat Arizona verwüstet. Ein Mensch kam ums Leben, rund 15 Personen gelten nach aktuellem Stand als vermisst oder noch nicht erfasst. Mehr als 60 Menschen wurden aus dem Inneren des Canyons evakuiert. Besonders betroffen sind der Bright Angel Canyon und die Umgebung der bekannten Phantom Ranch.

Die Sturzflut ereignete sich am Samstagnachmittag, 29. August. Heftige Gewitter liessen den Bright Angel Creek innerhalb kürzester Zeit stark anschwellen. Wasser, Schlamm, Geröll und Treibgut schossen durch die enge Schlucht und richteten erhebliche Schäden an Wegen, Brücken und Versorgungsanlagen an.

Nach Angaben des National Park Service wurden allein bis Sonntagmorgen 62 Personen aus der Phantom Ranch und dem unteren Abschnitt des North Kaibab Trail ausgeflogen. Die Suche nach weiteren Menschen läuft weiter.

Fussgängerbrücken zerstört

Das Ausmass der Schäden ist beträchtlich. Nach Angaben der Parkverwaltung wurden nahezu alle Fussgängerbrücken über den Bright Angel Creek zerstört. Damit sind wichtige Verbindungen für Wanderer im Inneren des Grand Canyon unterbrochen.

Die Phantom Ranch, der Bright Angel Campground sowie der North Kaibab Trail bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Auch mehrere Übergänge über den Colorado River wurden vorübergehend gesperrt.



Der Colorado River selbst war zeitweise für den Bootsverkehr nicht zugänglich, weil Metallteile und anderes Trümmermaterial ins Wasser gelangten. Die Behörden prüfen laufend, welche Bereiche sicher wieder freigegeben werden können.

Wasserleitung schwer beschädigt

Besonders gravierend sind die Schäden an der Transcanyon Waterline. Die Leitung versorgt grosse Teile der touristischen Infrastruktur am South Rim mit Wasser und ist derzeit ausser Betrieb.

Ab Montag, 31. August, werden deshalb sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten innerhalb des Nationalparks vorübergehend geschlossen. Betroffen sind unter anderem El Tovar, Bright Angel Lodge, Maswik Lodge, Yavapai Lodge und Trailer Village.

Der Grand Canyon bleibt für Tagesbesucher grundsätzlich geöffnet. Gleichzeitig gelten strenge Wassersparmassnahmen. Auf Campingplätzen wird der Zugang zu Wasser eingeschränkt, ausserdem sind Holz- und Holzkohlefeuer untersagt.

Gefahr weiterer Sturzfluten

Die Behörden warnen weiterhin vor Gewittern und zusätzlichen starken Niederschlägen. In dem steilen Gelände können sich Wassermassen innerhalb weniger Minuten sammeln und mit hoher Geschwindigkeit durch Seitentäler schiessen.

Besonders kritisch ist die Situation in Gebieten, die zuvor von Waldbränden betroffen waren. Dort kann der Boden weniger Wasser aufnehmen. Dadurch steigt das Risiko für Sturzfluten, Geröllströme und Erdrutsche zusätzlich.

Wie zerstörerisch solche Ereignisse in steilem Gelände werden können, zeigte erst vor wenigen Tagen die schwere Sturzflut in Nepal, bei der auch eine Schweizerin zeitweise als vermisst galt.

Suche nach Vermissten läuft weiter

Der National Park Service bittet inzwischen auch die Öffentlichkeit um Mithilfe. Gesucht werden Informationen zu Wanderern und Campern, die sich am Samstag im Bereich des Bright Angel Creek, des North Kaibab Trail oder der Phantom Ranch aufgehalten haben könnten.

Der Grand Canyon zählt zu den meistbesuchten Nationalparks der Vereinigten Staaten. Die aktuelle Katastrophe zeigt jedoch erneut, wie schnell sich die Bedingungen tief im Canyon verändern können. Während am Rand noch vergleichsweise ruhiges Wetter herrschen kann, können Gewitter in höher gelegenen Einzugsgebieten innerhalb kürzester Zeit eine lebensgefährliche Flutwelle auslösen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild – KI-Bild